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Rhythmische Beineinreibung nach Wegman/ Hauschka

Substanzart

Lavendelöl 10%

Leitgedanke

Die Einreibung an den Beinen und Füßen regt den Stoffwechsel an und fördert die Ausscheidung. Wir unterstützen damit  auch die Thromboseprophylaxe, regen die Durchblutung an und damit auch die Wärmebildung bei kalten Extremitäten. Bei Schmerzen durch Arthrose oder Rheuma wirkt die Einreibung belebend auf die Gelenke und das ganze Bein.
Die Beineinreibung beinhaltet 4 Teileinreibungen: Unterschenkel, Knie, Oberschenkel und den Fuß.

Indikationen

Durchführungsbeschreibung

Die Rhythmischen Einreibungen können nur in Seminaren unter Anleitung erlernt werden. Siehe auch Kapitel Rhythmische Einreibungen
Aber die Beine sanft mit wenig Öl einreiben unterstützt bereits die Wärmebildung.

BeurteilungssicherheitBei vielen Patienten.
DosierungIm Idealfall täglich, oder 1 bis 2 Mal wöchentlich, insgesamt etwa 20 Minuten
WirkungseintrittUnterschiedlich, von unmittelbar bis nach mehreren Anwendungen zunehmend
TherapiedauerNach Bedarf

Fallbeispiel

Eine 59-jährige, zierliche und klein gewachsene Patientin kommt auf ärztliche Zuweisung in die Sprechstunde. Das Tumorleiden ist weit fortgeschritten. Aufgrund der Metastasierung in der Leber füllt diese bereits den ganzen rechten Oberbauch aus mit entsprechender Aszitesbildung. Unter der Chemotherapie geht es der Patientin subjektiv relativ gut, wesentlich besser, als ihr Befund erwarten ließe. Ihr größtes Problem ist die Kraftlosigkeit, da sie kaum Aktivitäten wahrnehmen kann. Seelisch wirkt sie hell (ist medikamentös eingestellt mit Lithium), offen, freundlich, zugewandt, aber auch etwas hektisch und nicht ganz bei sich. Sie freut sich auf die Anwendungen, die sie nicht kennt, und berichtet unaufgefordert lebhaft von ihrem Alltag.

Beginn mit der Nierenlemniskate.
Wegen der Größe der Leber ist eine Bauchlagerung unmöglich, auch eine stabile Seitenlagerung drückt zu sehr auf den Bauch, sodass ich die Anwendung abwandle und ihr eine Lemniskate über der Nierengegend mit Cuprum 0,4 % ungt. (Weleda) im Sitzen auf einem Stuhl mache. Vor der Behandlung ist die Region kühl, nach der Nachruhe gut durchwärmt. Keine spezifischen Reaktionen der Patientin während der Behandlung.
Beineinreibung:
Die Unterschenkel und Füße  sind leicht gestaut. Die Beine sind von den Zehenspitzen bis zur Leiste eiskalt, sie fühlen sich komplett unbelebt an. Ziel ist es, für eine nachhaltige Wärmeentwicklung und "Verlebendigung" zu sorgen, entsprechend "dicht" arbeite ich. Pflegerische Geste: Hüllen, Anregen.

Für die Nachruhe bekommt die Patientin eine Wärmepackung mit mehreren Wärmeelementen an die Beine. Sie ist in einem körperlich eher schlechten Zustand und verfügt nur über wenig Lebenskräfte, sodass sie für eine gute Wärmeentwicklung kräftige Unterstützung von außen benötigt. 

Nach der 3. Anwendung sagt die Patientin unaufgefordert (bezogen auf die warmen Beine): „Man fühlt sich irgendwie anders in sich drin. Vorher ist es, wie wenn man in einer Hülle oder so herum laufen würde, und dann es ist so, wie wenn man richtig da wäre.“
Ab der 3. Behandlung wirkt die Pat. deutlich ruhiger und mehr bei sich. Sie spürt Kräfte zurück kommen und freut sich unendlich darüber, nun wieder für ihren Sohn kochen und gemeinsam mit ihm essen zu können. Das ist ihr allergrößtes Glück! Sie hat eine schwierige Ehe hinter sich und fühlt sich jetzt nach der Scheidung wie befreit davon. Sie hat keine großen Ansprüche an ihr Leben, aber die Gemeinsamkeit mit ihrem Sohn erfüllt sie tief in ihrem Herzen.

Ab der 7. Behandlung (Ende April 2012) verschlechtert sich der Allgemeinzustand der Patientin, der Tumor ist progredient trotz Chemotherapie. Die Beine sind stärker gestaut, die Wärmeentwicklung ist weniger intensiv und dynamisch. Nach der 8. Behandlung (Mai 2012) wird sie stationär aufgenommen und ich sehe sie nicht mehr in der Sprechstunde.

Am 24. Dezember desselben Jahres geht die Patientin auf der Palliativstation im Beisein ihres Sohnes über die Schwelle.

Autor: ML

Autor

Red., ML

Literatur

Substanzen