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Senf-Thorax-Wickel

Substanzart

Senfmehl

Leitgedanke

Die ätherischen Öle im Senfmehl wirken auf der Haut örtlich stark reizend, dringen schnell in die Haut ein und lösen ein starkes Brennen und ein intensives Wärmegefühl aus.
An der behandelten Stelle werden die Durchblutung und die Stoffwechseltätigkeit gesteigert und die Haut rötet sich. Dadurch entsteht über die Nervenendigungen in der Haut eine reflektorische Fernwirkung auf die inneren Organe. Der Senf-Thoraxwickel führt außerdem zu einer vertieften Atmung.

Senfanwendungen gehören zu den wirksamsten und verlässlichsten, aber auch anspruchvollsten Äußeren Anwendungen. Es ist besonders wichtig, dass der Patient gut informiert ist über den Ablauf der Behandlung und die Tatsache, dass Senf auf der Haut brennt.
Es muss bei jeder Senfanwendung gemeinsam mit dem Patient die für ihn richtige Dauer gefunden werden. Bei einer zu kurzen Anwendung kann die gewünschte Wirkung ausbleiben; bei einer zu langen Anwendung besteht die Gefahr der verbrennungsähnlichen Hautschädigung. Senf-Thorax-Anwendungen sollten nach Möglichkeit vormittags oder am frühen Nachmittag (ca.15-17 Uhr) durchgeführt werden, da dies die Zeit ist, in der der Organismus maximal leistungsfähig ist, um die Anwendung zu verabeiten.

Indikationen




Durchführungsbeschreibung

Kontraindikationen:



Material:
Hinweis: das Senfmehl sollte so frisch wie möglich gemahlen sein. D.h. originalverpackt sollte es nicht älter als 6 Monate sein, bzw. nach Anbruch sollte es nicht länger als 3 Monate verwendet werden, da die Wirksamkeit ansonsten stark nachlassen kann. Wichtig sind eine luft- und lichtdichte Verpackung.

Zubereitung und Durchführung:

Alternativ: Senfpäckchen (Quelle: Heidenheim)
Aus Reißwäsche ein Baumwolltuch machen, das etwa doppelt so groß wie die gewünschte Packung ist, rundherum ca. 2cm Zugabe. 3 gehäufte Esslöffel Senfmehl (für eine Seite) mit 60-70°C heißem Wasser anrühren dass es einen streichfähigen Brei ergibt. Diesen zügig auf die Hälfte des Tuches auftragen (2cm Rand lassen) und die andere Hälfte des Tuches über den Brei legen, an den offenen drei Seiten die Ränder gut einschlagen, so dass der getrocknete Brei nicht ins Bett bröselt, wenn die Packung abgenommen wird. Dieses Päckchen schließlich auf auf das gewünschte Hautareal auflegen undl begrenzt applizieren.
Zum Fixierung und zum Einhüllen ein weiteres dickes Baumwolltuch und ein Wolltuch wie oben beschrieben verwenden.

Einwirkzeit:
Alle weiteren Anwendungen werden individuell der Hautreaktion angepasst. Wenn der Patient das brennen als zu stark empfindet ist dies in der Regel der Zeitpunkt, den Wickel abzunehmen.
Bei blonden und rothaarigen Menschen und Menschen mit Hautyp 1 ist mit einer schnelleren Reaktion zu rechnen.

Nachbereitung:

BeurteilungssicherheitBei sehr vielen Patienten bewährt
Dosierung1 Mal täglich
WirkungseintrittInnerhalb von wenigen Minuten, bei den Päckchen sofort
TherapiedauerJe nach Verlauf von einer einmaligen Anwendung bis zu einer Behandlungsserie von bis zu 10 Anwendungen
WarnhinweiseGenerell gilt für alle Senf-Anwendungen:
Keine Anwendung länger als 20 Min. (Gefahr der Nervenschädigung in der Haut und Nekrosebildung). BEI SÄUGLINGEN und KLEINKINDERN bis 4 Jahren keine Anwendung länger als 10 Minuten.

Wichtig: tägliche Hautbeobachtung, es können Spätreaktionen eintreten (Rötung - Stunden nach der Auflage) und evtl. ist aufgrund der Rötung eine Anwendungspause notwendig.
Bei blonden und rothaarigen Menschen und Menschen mit Hautyp 1 ist mit einer schnelleren Reaktion zu rechnen.
Bei Hautempfindlichkeit, bei Sensibilitätsstörungen und bei mangelnder Körperempfindung gilt besondere Vorsicht.

Kontraindikationen
  • Hautverletzungen oder nässende oder entzündliche Hauterkrankungen im Bereich der Auflage
  • Noch nicht abgeklungene Rötung der Haut durch die vorangegangene Senfanwendung
  • Unverträglichkeit gegen Senf
  • Bestrahlte Hautareale


Die Behandlung sollte von einem Arzt begleitet werden!

Fallbeispiel

Ein 74 jähriger Patient mit neurasthenischer Konstitution leidet seit Jahren an einer COPD, die sich in den Wintermonaten 2012 vor Behandlungsbeginn zu rezidivierenden Pneumonien entwickelte. Sein Hauptproblem ist der ständige, vorwiegend trockene Husten und die Kraftlosigkeit aufgrund der rezidivierenden Infekte mit den entsprechenden Antibiotikagaben. Es kommt zu mehreren stationären Aufenthalten aufgrund der Pneumonien, die auch immer mit Fieber einhergehen.
Der Patient ist kurzatmig, leicht verschleimt, atmet oberflächlich vor der ersten Behandlung. Er wirkt geschwächt, leicht resigniert und hilflos. Er neigt zum Frösteln, hat kühle Extremitäten. Zusammen mit seiner Partnerin lege ich den Wickel an, den er noch nicht kennt. Bereits beim 1. Mal kann der Wickel 12 Minuten lang belassen werden. In der Nachruhe entspannt der Patient und schläft ein. Eine Wärmeentwicklung bis in die Peripherie setzt ein, die Atmung wird ruhig und geht in eine Bauchatmung über.
Der Verlauf ist bei den weiteren Behandlungen ähnlich, nur dass der Wickel länger belassen werden kann. Sein Allgemeinzustand bessert sich rasch. Entsprechend besser ist seine Stimmung, er schöpft Hoffnung und ist sehr zufrieden über den Verlauf.
Nach Abschluss der Behandlungsserie von 9 Anwendungen ist sein Zustand so stabil, dass  über die Wintermonate keine weiteren Infekte mehr aufgetreten sind und sein Allgemeinbefinden verbessert ist. Er hat sogar 2Kg zugenommen.
Seine Partnerin führt zu Hause weiter regelmässig 1x wöchentlich Brustwickel mit Equisetum durch (in die ich sie instruiert habe), welche die Gesamtsituation weiter stabilisieren. Über die Wintermonate werden Senfwickel von seiner Partnerin verabreicht (Häufigkeit nicht bekannt), so dass im Verlauf von 2 Jahren nur zwei Infekte aufgetreten sind.

ML

Autor

Red., ML

Literatur


Substanzen